12.06.2005 16:57 Alter: 12 yrs
Kategorie: Musikschule Hildesheim
Von: Herbert Reyer / Edgar B. Pusch

"Per aspera ad astra!" - Musikschule Hildesheim im Aufwind

Per aspera ad astra ! Musikschule Hildesheim 2004/2005 im Aufwind – Ein Jahr der ganz großen Herausforderung


Die Monate seit der Mitgliederversammlung vom März 2004 und die ersten Monate dieses Jahres 2005 kennzeichnen den wohl wichtigsten Zeitabschnitt in der mehr als 45jährigen Geschichte der Musikschule Hildesheim. Im letzten „Gelben Heft“, in dem wir wie üblich  Rechenschaft über das zurückliegende Jahr (2003) abgegeben haben und zur Mitgliederversammlung im März 2004 einluden, wurde das quälende „Hauptproblem“ unserer Musikschule bereits deutlich angesprochen: Gemeint sind die seit langem bekannten „unzureichenden und teilweise unerträglichen Raumverhältnisse“ in der Lindemannschen Villa und den über 20 Außenstellen in der Stadt. Dringende Abhilfe war geboten. In Gesprächen mit der Stadtspitze gab es damals schon eine klare Zielrichtung, die durch Stadtbaurat Thomas Kulenkampff ins Spiel gebracht worden war: Verkauf der Lindemannschen Villa und Erwerb eines neuen Gebäudes für Musikschulzwecke mit Hilfe des aus dem Verkauf der Villa zu erzielenden Erlöses. Auf jeden Fall sollten und konnten keine städtischen Mittel zur Sanierung des alten Musikschulgebäudes in der Bahnhofsallee aufgebracht werden.

In der Mitgliederversammlung vom 24.3.2004 konnte dann endlich auch sehr konkret die Alternative zur bisherigen Unterbringung benannt werden. Der Blick war bereits auf ein Gebäude der Waterlookaserne an der Einumer Straße gerichtet. Die Versammlung billigte denn auch die vorsorglich vom Vorstand erbetene Beitragserhöhung, die den Verein in die Lage versetzen sollte, die mit einem neuen, viel größeren Gebäude auf die Musikschule zukommenden höheren Kosten finanziell auffangen zu können. Außerdem sandte dieser Beschluss ein erstes wichtiges Signal an die Verwaltungsspitze der Stadt aus: Die Musikschule und damit ihre Mitglieder waren bereit, sich für eine neue Bleibe stärker als bislang zu engagieren und höhere Kosten auf sich zu nehmen.

Erste Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt gingen davon aus, dass evtl. notwendige Sanierungsarbeiten im Gebäude von der Musikschule selbst zu leisten wären. Die dafür anfallenden Kosten sollten durch den bereits angesprochenen erhöhten Mitgliedsbeitrag sowie durch einen zeitweiligen Verzicht der Stadt auf die Raummiete für das Gebäude bewältigt werden. Oberstadtdirektor Dr. Deufel entschied vor dem Hintergrund dieser Optionen noch im März letzten Jahres, das ins Auge gefasste Gebäude der Waterlookaserne  zu erwerben. Für die Lindemannsche Villa hatte sich bereits ein Interessent gemeldet. Nach entsprechenden Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Bundesvermögensamt ging das Kasernengebäude im September 2004 in das Eigentum der Stadt über.

Damit begann nun für den Vorstand die Phase der Umbauplanung und der Ermittlung der tatsächlich zu erwartenden Kosten. Schon im August, als sich abzeichnete, dass die Verhandlungen einen positiven Ausgang nehmen würden, hatte der Vorstand entschieden, sich professioneller Hilfe zu bedienen: Architekt Dipl.-Ing. Eugen Jung wurde mit der Planung beauftragt. Erste Ergebnisse lagen dem Vorstand bereits im September auf dem Tisch. Die Kostenschätzung machte allerdings deutlich, dass die Herrichtung des Gebäudes für die Zwecke einer Musikschule doch einen weit größeren Aufwand erfordern würde, als bislang angenommen: Die Kaserne war zwar baulich in hervorragendem Zustand (Bausubstanz, Fenster, Dach usw.), die Veränderung der Nutzung zog jedoch aus baurechtlichen Gründen wegen des Wegfalls des sogenannten „Bestandsschutzes“ erheblichen Mehraufwand nach sich.

Bevor man überhaupt an einen „Umbau“ zur Musikschule herangehen konnte, war zunächst eine gründliche „Sanierung“  nötig, die vor allem den Aspekt der „Gebäudesicherheit“ berücksichtigen musste. Damit war klar, dass nicht nur eine komplett neue Sanitärinstallation auf allen Etagen nötig sein würde, sondern vor allem auch die gesamte Elektroinstallation vollständig zu erneuern war. Ferner galt es Brandschutzauflagen zu beachten, die Treppengeländer den strengen Auflagen für Schulen anzupassen und schließlich für eine eigene Heizungsanlage unabhängig vom Blockheizkraftwerk der Bundeswehr zu sorgen.

Der Vorstand sah sich plötzlich mit einem Kostenvolumen von über 600.000 Euro konfrontiert. Schatzmeister Karl-Heinz Strube bemühte sich seither unermüdlich, Finanzierungskonzepte zu entwickeln, um die unerwartet hohe Belastung überhaupt schultern zu können. Erste Erwartungen, die Finanzierung mit Hilfe städtischer Zuschüsse absichern zu können, zerschlugen sich im Laufe des vergangenen Jahres. Die Haushaltslage der Stadt ließ in den zahlreich geführten Gesprächen keinerlei Hoffnungen in diese Richtung zu.

Zum Jahresbeginn 2005 wurde zudem deutlich, dass der Verein Musikschule angesichts des zu bewältigenden Kostenvolumens keine Chance haben würde, eine angemessene Kreditfinanzierung ohne entsprechende Sicherheiten zu erreichen. So wurden in den Gesprächen mit der Verwaltungsspitze der Stadt zwei neue Wege beschritten: Neben dem Bemühen um deutliche Kostenreduzierung wurde die Eigentumsübertragung des Gebäudes an die Musikschule ins Auge gefasst. Nur so konnte die Musikschule in die Lage versetzt werden, die für die Sanierung und den Umbau benötigten Kredite selbst zu besichern.

Im April 2005 war es dann endlich soweit: Die Verwaltungsspitze legte den Ratsgremien und schließlich dem Rat die von der städtischen Stabsstelle Liegenschaften (Herrn Habenicht) erarbeitete Sitzungsvorlage zur Übertragung des Kasernengebäudes an die Musikschule Hildesheim e.V. vor. In der Ratssitzung vom 25. April 2005 stimmte der Rat der Übertragung einstimmig zu: ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte unserer Musikschule und ein hoher Vertrauensbeweis in die Arbeit von Schulleitung und Vorstand durch den Rat und die Verwaltungsspitze insbesondere in der Person des Oberstadtdirektors Dr. Deufel! Seit der notariellen Übertragung am 11. Mai 2005 ist die Musikschule nunmehr Eigentümer des Gebäudes Waterlookaserne. Ein neues Kapitel der Musikschulgeschichte ist damit aufgeschlagen.

Begleitet wurden die Gespräche und Verhandlungen mit den Spitzen von Rat und Verwaltung durch Informationen und Gespräche mit Eltern und potentiellen Spendern und Stiftern. Letztere machten erst durch ihre finanziellen Zusagen möglich, was nunmehr mit dem soeben begonnenen Umbau der Kaserne Wirklichkeit werden wird: Ein nicht genannt werden wollender Spender stiftete die beachtliche Summe von 100.000 Euro (zweckgebunden für einen Konzertsaal), ein weiterer, ebenfalls noch nicht genannt werden wollender Freund der Musikschule, gab eine Spendenzusage in Höhe von 50.000 Euro; allein der Rotary Club Hildesheim spendete aus Aktionen und Eigenmitteln 26.000 Euro. Viele Einzelspenden sind bereits eingetroffen, weitere Spenden im Rahmen von sogenannten „Raumpatenschaften“ müssen aber folgen, um die Eigenmittel der Musikschule zu steigern und den Kreditbedarf für den Umbau in Grenzen zu halten. Dabei sind dem Vorstand alle Spenden, auch kleine Beträge, herzlich willkommen.

Der für den Spätherbst dieses Jahres geplante Umzug in die neuen Räumlichkeiten der Waterlookaserne ist für die Musikschule ein „Jahrhundertereignis“. Für das kulturelle Profil Hildesheims ist dieses Ereignis ebenfalls von großer Bedeutung und unterstreicht den Anspruch Hildesheims, „Kulturstadt“ zu sein.  Landes- und vielleicht auch bundesweit ist der hier beschrittene Weg von einmaligem Rang und kann kaum hoch genug in der heutigen schwierigen Zeit eingeschätzt werden. Vorstand und Schulleitung danken Rat und Verwaltung, insbesondere Herrn Oberstadtdirektor Dr. Deufel und Herrn Oberbürgermeister Dr. Kumme für ihre richtungweisenden Entscheidungen und allen Spendern für ihre Unterstützung.